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Besondere Ausbildungsregelungen für Behinderte

Quelle: Arbeitsamt/ Rehabuch Deutschland

"Berufliche Rehabilitation junger Menschen"


Wenn aufgrund von Behinderungen eine betriebliche Berufsausbildung nicht nach den verbindlichen Ausbildungsordnungen möglich ist, lassen sich Ausbildungsgänge so modifizieren, daß sie die besonderen Bedingungen behinderter Auszubildender berücksichtigen. So werden zum Beispiel fachpraktische Inhalte und Prüfungsanforderungen im Vergleich zur Fachtheorie stärker gewichtet oder auch fachpraktische Anteile ausgeklammert, die aufgrund einer Behinderung nicht absolviert werden können.

Rechtliche Grundlagen: Nach § 48 Berufsbildungsgesetz (BBiG) und § 42b der Handwerksordnung (HwO) können Auszubildende mit Behinderungen in anerkannten Ausbildungsberufen auch abweichend von der Ausbildungsordnung (§§ 25 BBiG/HwO) oder in anderen als den anerkannten Ausbildungsberufen ausgebildet werden.

Bundeseinheitliche und regionale Regelungen: Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat bereits 1978 eine Empfehlung zur Entwicklung bundeseinheitlicher besonderer Ausbildungsregelungen für Behinderte verabschiedet, um die Chancengleichheit zu verbessern. Die Empfehlung richtet sich an die Kammern, die entsprechende Regelungen erlassen (Berufsbildung, zuständige Stellen). Außerdem wurden vom BIBB Empfehlungen für die Ausbildung Behinderter in folgenden Berufen verabschiedet:

  • Metallbearbeiter/Metallbearbeiterin
  • Metallfeinbearbeiter/Metallfeinbearbeiterin
  • Werkzeugmaschinenspaner/Werkzeugmaschinenspanerin (Drehen)
  • Werkzeugmaschinenspaner/Werkzeugmaschinenspanerin (Fräsen)
  • Bürokraft
  • Holzbearbeiter/Holzbearbeiterin
  • Bau- und Metallmaler/Bau- und Metallmalerin

Darüber hinaus haben die zuständigen Stellen für Berufsbildung - vor allem Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern - regionale Ausbildungsregelungen erlassen, wenn auch bisher in unterschiedlichem Umfang. Die regionalen Ausbildungsregelungen unterscheiden sich vielfach in ihrem Anforderungsniveau. Nach dem Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe (herausgegeben vom BIBB) gibt es derzeit etwa 780 Ausbildungsregelungen für Behinderte, die rund 150 Berufe betreffen. Das Verzeichnis kann bei der Berufsberatung des Arbeitsamts eingesehen werden.

Zugang: Bevor eine Ausbildung nach besonderen Regelungen für Behinderte ins Auge gefasst wird, ist stets zu prüfen, ob - mit entsprechender Ausstattung (Technische Hilfen), ausbildungsbegleitende Hilfen (abH), Prüfungsmodifikationen, Ausbildungserleichterungen (z.B. Verlängerung der Ausbildungszeit) - eine Ausbildung nach der regulären Ausbildungsordnung möglich ist. Eine Ausbildung nach besonderen Regelungen für Behinderte wird beantragt bei der Kammer, die für den Ausbildungsberuf zuständig ist. Um herauszufinden, ob Art oder Schwere der Behinderung entsprechende Ausbildungsregelungen erfordern, ist eine differenzierte Untersuchung der Eignung notwendig, die vom Arbeitsamt durchgeführt wird. Erster Ansprechpartner ist dabei die Berufsberatung für Behinderte. Bei der Untersuchung werden Gutachten der Fachdienste des Arbeitsamts und Stellungnahmen der Schule berücksichtigt. Bei Bedarf können Maßnahmen zur Berufsfindung und Arbeitserprobung vorgeschaltet werden.

Besondere Ausbildungsregelungen für Behinderte kommen in Betracht bei einer Berufsausbildung (Duales System):

Wenn es der Leistungsstand während der Ausbildung erlaubt, sollte und kann eine Ausbildung nach besonderen Regelungen für Behinderte (§ 48 BBiG/§ 42b HwO) auch nach der regulären Ausbil-dungsordnung (§§ 25 BBiG/HwO) fortgesetzt werden. In jedem Fall können Prüfungsmodifikationen beantragt werden.


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